Menschen sind von Grund auf motiviert, wir müssen nur aufhören zu demotivieren.

In meinen 20 Jahren Arbeit als Coach konnte ich genau diese Beobachtung machen: Jeder Mensch möchte etwas Gutes beitragen. Und wenn Menschen oder ein Team demotiviert sind, dann lag es an den Verhaltensweisen vom Chef, der Kollegen oder an den Umständen in der Firma.

Die Gründe dafür sind so bunt wie ein Blumenstrauß. Das können eine fehlende Würdigung, Perspektivlosigkeit oder eine gefühlte Sinnlosigkeit der Arbeit sein. Aber auch eine negative Grundstimmung wie Angst oder Aggression im Team.

Zudem beobachte ich oft Führungskräfte, die nicht loslassen können und Mitarbeiter wie Kinder behandeln. Dieses Mikromanagen kann wohlwollend gemeint sein: "ich mach' das schon für dich". Jedoch führt die Überfürsorglichkeit zum Verlust der Eigeninitiative der Mitarbeiter. Denn schon ein Kind fordert ein, Dinge selbst zu tun. So lernt das Kind, sein Leben zu gestalten. Wird uns als Erwachsener diese Möglichkeit genommen, drängt uns das in eine Lustlosigkeit und Passivität. Das passiert auch, wenn an den letzten 10 % eines Arbeitsauftrages rumgenörgelt werden. In diesem Fall fühlen wir uns ENTindividualisiert. Gefühlt sind somit auch die restlichen 90 % der Arbeit nicht "gut genug".

Aus der zunehmenden Passivität der Mitarbeiter und steigender Überfürsorglichkeit der Führungskraft entsteht in letzter Konsequenz ein Teufelskreis. "Ich muss mich um alles selber kümmern" - der tragische Glaubenssatz eines Chefs, der dem Mitarbeiter keine eigene Verantwortung lässt.

In einer Familie befreien sich Kinder von diesem Klammern, sie setzen sich nach all dem Ärger durch und die Eltern lernen loszulassen. So blühen Beziehungen wieder auf. Jeder respektiert das Leben und das Anderssein des anderen.

In der Arbeitswelt beobachte ich jedoch oft, dass Mitarbeiter sich nicht emanzipieren und nicht ausdrücken was sie stört. Der Frust wird bis zur Krankheit reingefressen oder sie hetzen bei anderen Kollegen ab und demotivieren diese noch dazu. Aber die Person, die etwas ändern könnte, wird nicht angesprochen - es wird geschwiegen. Der Mitarbeiter hat den Glauben verloren, dass sich etwas ändert. So bleibt der Chef in der Illusion, dass alles in Ordnung ist.

Diese beiden Standpunkte können jedoch nur im Dialog geändert werden. Eine ehrliche Frage könnte dabei das Eis brechen: "was demotiviert dich an meinem Verhalten?" oder "Was motiviert dich an meinem Verhalten." Im Gegenzug könnte der Mitarbeiter das Angebot machen "wie könnte ich dich mehr unterstützen?" oder "Was sollte ich tun, damit dir das Führen leichter wird?" Die Frage ist nicht, wer ist schuld und was ist richtig und falsch - sondern: wie können wir uns die Arbeit leichter machen? Oder unter privaten Aspekt: wie können wir unsere Beziehung besser gestalten. Das erfordert innere Größe - die Menschen, die dies können gestalten große und kraftvolle, bereichernde sowie lohnende Beziehungen.

Beziehungen sind Arbeit. Vor allem an sich. Wir konfrontieren uns dann ständig mit der Frage: "was soll ich ändern, damit unsere Beziehung noch besser wird?"

Wir haben oft Angst zu fragen, weil wir dann das Gefühl haben, etwas falsch gemacht zu haben. „Was kann ich besser machen?“ macht das Bisherige aber deshalb nicht falsch. Wenn ich frei bin von verurteilen, dann hab ich keine Angst zu fragen, was ich tun muss, damit die Situation besser wird. Wer Führungsarbeit wirklich nutzt, wird wachsen. Das gilt auch für Mitarbeiter: wir führen ja auch unser Leben. Und Kommunikation ist der Schlüssel für eine fruchtvolle Zusammenarbeit.

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